Man sieht sich immer zweimal, rief mir gestern noch der gemeine, verbotsschilderaufstellende, nasegedrehte Erzgebirgler hinterher. Ha, rief ich zurück, fang mich doch, Du Eierloch und düste davon. Heute weiß ich, was er meinte. Doch der Reihe nach.
Meine Routenwahl schickt mich zuerst wieder über ein paar Wege, von denen ich gestern noch abgeraten habe, ihr wisst, die mit den Steinen. Da bin ich froh, als es asphaltiert weiter geht, bereue aber, überhaupt mit dem Fahrrad unterwegs zu sein, als ich an die nächste Steigung komme. Und ich muss es zugeben, als die Neigungsanzeige meines Garmins auf 14% umgespringt, ist es vorbei. Ich schiebe etwa 200 Meter. Runterblickend sieht das so aus:

Ein Stück weiter führt die Route wieder in den Wald und das muss er geahnt haben, der Schlingel. Ich fahre eine Weile vor mich hin, erhole mich noch von den schon abgerissenen Höhenmetern und dann das. Er war schon da mit seinem Bagger!


Also wieder schieben, aber ein Rad mit Gepäck schiebt sich nicht so richtig gut im Matsch. und so kommt es, dass ich in der ersten Stunde heute morgen sage und schreibe acht Kilometer schaffe.
Doch es folgt eine weitere Gemeinheit des Freistaats Sachsen gegenüber den Radlern:

Was aussieht, wie ein 1a Radweg ist nämlich keiner. Es ist eine Sommertrainingsbahn für Langlaufski. Sogar mit Beleuchtung. Ich gönn denen keinen Zentimeter Schnee mehr.
Dann verlasse ich Sachsen über die Grenze nach Tschechien. Psst, ich darf natürlich nicht verraten, wo das genau ist, sonst kommt der Asylant hier auch rein und dann wäre die ganze Kiste mit den Grenzkontrollen endgültig als unnütze, effektheischende Alibiaktion entlarvt. Aber so kommt der illegale Eindringling ja weiterhin über die Autobahn. Hier die ehemaligen Grenzgebäude (wer will da schon kontrollieren?)

So, jetzt habe ich genug über Sachsen geschimpft (eigentlich ist es da landschaftlich sehr schön, aber irgendwie kommen wir nicht zusammen).
In Tschechien ist alles viel besser, na ja, alles kann ich ja nicht beurteilen, aber als Radfahrer fühle ich mich hier wohl. Ein gut ausgeschildertes Radnetz über wenig bis kaum befahrene Straßen, auch mal unbefestigt, dann aber gut fahrbar und viel neu angelegte Radwege, zum Beispiel mit dieser schönen Brücke.

In Tschechien fahre ich nach Cheb (deutscher Name Eger). Wenn ihr mal hier in der Nähe seid (Erzgebirge oder Oberpfalz oder so), ein Besuch lohnt sich. Hier ein paar Eindrücke.





Aus Cheb raus gelangt man so wie rein, über gut ausgebaute Radrouten. Auf der ehemaligen Bahntrasse von Eger nach Marktredwitz und Wiesau ist ein Radweg in tadellosem Zustand entstanden. Leider nur auf tschechischer Seite. Dies wird schon am Grenzübergang am Zustand der Infotafeln deutlich.


Da höre ich Euch schon reden ‚was ist denn der Heinrichs fürn Spießer‘, nur wegen einer geputzten Infotafel. Nein, nicht nur, aber dieser schöne Radweg hört nach einem Kilometer in Deutschland (jetzt in Bayern) einfach auf.

Dann fährt man wieder über Straßen, schade Tischenreuth. Ich fahre dann noch bis Mitterteich, das hier wegen mangelnder Attraktivität keine weitere Erwähnung findet.


Wir sind jetzt auch für ein paar Tage in Tschechien, nicht dem Rad, aber der Bahn. Tschechien hat nicht nur gute Radwege. Die tschechische Bahn hat schöne Speisewagen und serviceorientierte Kellner. Weiter gute Fahrt.