31.03. Dreiländleeck

Hurra, es hat aufgehört zu regnen, aber wir starten bei drei Grad. Leider ist über Nacht nicht alles trocken geworden. Die dickeren Handschuhe sind auch innen noch feucht. Überhaupt sind Handschuhe ein schwieriges Thema. Für die Tour hatte ich drei Paar eingepackt: die dicken, die auch bei null Grad noch taugen und etwas Wasser abhalten, aber eben auch dick sind und deshalb bei Temperaturen über fünf Grad zu warm sind und außerdem weder die Bedienung des Navis noch des Fotoapparates zulassen, die dünnen, sehr angenehm zu tragen, taugen bis etwa fünf Grad, sind aber gar nicht regentauglich und die normalen Radhandschuhe mit halben Fingern, definitiv bei den Temperaturen hier zu kalt. Nasse Handschuhe sind doof, also ziehe ich die dünnen an und habe etwas kalte Finger, aber es geht.

Noch ein Blick auf Laufenburg

Dass es nicht regnet, heißt noch lange nicht, dass es auch hell ist. Der Himmel bleibt drohend, aber – soviel vorweg – er droht nur.

Nach ein paar Kilometern sammele ich die nächste Holzbrücke ein. In Bad Säckingen steht die älteste noch erhaltene und gleichzeitig längste Holzbrücke. Diese ist auch nur für Fußgänger und Radfahrer freigegeben und hat im Gegensatz zu den beiden anderen schon erwähnten auch einen Holzboden.

Ich kürze die Strecke etwas durch die Schweiz ab – hat sich aber wegen diverser Baustellenumfahrungen nicht gelohnt – und passiere hier einen ansonsten nicht erwähnenswerten Ort mit dem schönen Namen

Es gibt Studien darüber, dass mensch es schwerer im Leben hat, wenn man Kevin oder Jaqueline oder Ali oder Ayse heißt. Wenn man aber aus Mumpf kommt, was soll man denn da noch erwarten?

Wenn man an großen Flüssen in die Nähe von großen Städten kommt, ist es oft mit der Schönheit vorbei. So auch hier. Im engen Hochrheintal ist nicht so viel Platz und so wird es ab Rheinfelden sehr industriell. Ich überquere den Rhein zurück nach Deutschland am Kraftwerk dort.

Sieht fast aus wie Wesseling

Dann erreiche ich Basel. Aus irgendwelchen Gründen ist die Schweiz in Basel noch mal auf die nördliche Seite geschwappt. Mit einem vollbepackten Fahrrad Städte besichtigen ist nur suboptimal. Ich fahre ein paar Punkte an, möchte aber das Rad nicht unbeaufsichtigt stehen lassen.

Im nördlichen Teil fallen zwei Dinge auf, zum einen die Roche-Türme und eine ehemalige Brauerei, die jetzt als Kreativ- und Kulturzentrum genutzt wird.

Vielleicht sollte man sich mal ein paar Tage Zeit nehmen, um Basel zu erkunden, die Altstadt ist schon sehenswert, es gibt eine Reihe interessanter Museen und insgesamt habe ich einen sehr internationalen und weltstädtischen Eindruck.

Im Norden Basels im Hafengebiet befindet sich der Dreiländerpunkt Schweiz – Frankreich – Deutschland. Der liegt allerdings mitten im Rhein und daher gibt es im Hafen Basels diese Skulptur, die mich eher an eine Rakete erinnert, als an etwas Verbindendes.

Die europäische Idee wird weiter gelebt mit der Dreiländerbrücke von Weil am Rhein nach Huningue in Frankreich. Ich freue mich immer sehr darüber, wie selbstverständlich nationale Grenzen verschwinden, wenn man den Bürgern Gelegenheit zum Austausch gibt.

Dreiländerbrücke in Weil am Rhein

Dann verlasse ich den Hochrhein nach Norden. Auch hier ist es in Stadtnähe nicht schön. An der Ausfallstraße reiht sich Möbelhaus an Outlet an Tankstelle an Autohändler.

Danach passiere ich ein paar Stadtteile, die in letzter Zeit mit am Flächenfraß gearbeitet haben. Alles sehr ordentlich hier in Baden-Württemberg, so wie man sich das vorstellt mit Kehrwoche und so. Vielleicht täusche ich mich, aber das sieht hier noch eine Ecke geleckter aus, als anderswo.

Nach zweieinhalb Tagen Rhein geht es zum Abschluss des Tages noch an den Fuß des Schwarzwaldes. Nachdem es den ganzen Tag bei Gegenwind recht frisch, aber trocken war, wagt sich jetzt sogar die Sonne hervor. Ich habe noch 200 Höhenmeter zu bewältigen, aber oben ist es schön.

76,7 km – 610 hm

3 Kommentare

  1. Interessanter Bericht (außer das mit den Handschuhen). Schön auch, dass am Ende noch die Sonne raus kam: das ist gut fürs Gemüt.

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