Wenn von den vier natürlichen Widrigkeiten des Radfahrens – Dunkelheit, Kälte, Wind, Regen – drei zusammen kommen und das auch noch aufgrund der Zeitumstellung gefühlt um fünf Uhr morgens, dann befällt einen ob der Planung der Tour doch ein leichter Zweifel. Gut, mit der Dunkelheit hätte ich rechnen können beim Blick in den Kalender und am Wochenende nimmt halt auch niemand freiwillig einen Zug um viertel vor sieben, daher die besten Preise, aber Frühling und Osterferien, da rechnet man doch nicht mit 2 Grad und Regen. Hat aber auch sein gutes: so leer ist die Hohenzollernbrücke sonst nie.

Apropos Kalender: Die Bahn traut sich selbst immer weniger zu, so weit hat es das Bahnbashing schon gebracht.

Ich möchte hier ausdrücklich eine Lanze für die Bahn brechen. Eigentlich klappt es immer, so auch heute, ganz prima, mit Bahn und Fahrrad zu verreisen.
Zurück zum Wetter. Der Schwarzwald jagte mir noch einen Schrecken ein, so sieht doch keine Landschaft aus, die zum Rad fahren einlädt.

Von Konstanz aus – das Radverkehrskonzept in dieser Stadt ist einfach eine Wucht, das Wetter hingegen oft nicht, Hagel zur Begrüßung – geht es einmal rund um den Untersee, an Allensbach vorbei nach Radolfzell. Anscheinend sind die Bodenseeanrainer besser mit dem Wetter hier vertraut und um einen kalendarischen Frühling schert sich hier niemand. So sah es denn auch aus. Die Cafés und Biergärten in Wassernähe weitestgehend geschlossen und die Yachthäfen und Bootsanleger verwaist.


So langsam traut sich die Sonne hervor, das sieht dann direkt viel freundlicher aus, wenn es auch heute an den Temperaturen nicht viel ändert.
Im Wesentlichen bildet der Rhein bzw. der Bodensee die Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz. Es gibt aber ein paar Unregelmäßigkeiten. Das Stadtzentrum von Konstanz, und nur das, liegt auf der südlichen Seite, die restlichen Stadteile von Konstanz liegen alle nördlich auf dem Bodanrück.
Auf der nördlichen Seite ist das aber zumindest hier in Bodenseenähe ein großes Kuddelmuddel. Morgen mehr. Und so überquere ich die deutsch-schweizerische Grenze kurz vor Stein am Rhein. Zu erkennen ist die Grenze an dieser Stelle nur am wechselnden Straßenbelag.

In Stein am Rhein ist der Bodensee dann wirklich zu Ende und nur der Rhein bleibt übrig. Stein am Rhein ist ein sehr putziges Städtchen mit einem beeindruckenden alten Marktplatz mit durch Fassadenmalerei aufwändig gestalteten Häusern.

Für mich ist das etwas zu kitschig und im Sommer wohl auch voll.
Hinter Stein wird das Rheintal dann deutlich enger und da der Weg nicht immer nah am Ufer verläuft, müssen auch einige zwar kurze, aber knackige Anstiege bewältigt werden.
Dann fahre ich wieder nach Deutschland und passiere die Grenze zwischen dem Canton Schaffhausen und dem Großherzogtum Baden.


In Gailingen steht noch eine sehr schöne alte Holzbrücke über den Rhein.

Im Sonnenschein beende ich die heutige Tour in Gailingen. Und da bleibt mir nur zu sagen: Am Ende siegt immer das Radfahren und das Gefühl, dem Wetter getrotzt zu haben. Radfahren, insbesondere auf Reisen, ist einfach gail.


Für einen Anreisetag schon eine beachtliche Leistung – Du hättest dafür aber wirklich einen etwas freundlicheren Wetterempfang verdient gehabt!
So kann es also nur besser werden, hoffentlich nicht erst in ein paat Tagen.
Grüße aus Oberhausen und weiter gute Fahrt
Großes Kuddelmuddel in Konstanz? Was für ein Cliffhanger! Geht’s um Karl V.? Wie steht man in Konstanz zu Karl V.?
Gute Fahrt!
Lieber Jürgen, ich bin der, der auch mit wenig Ahnung, aber gesundem Selbstbewusstsein über z.B. Murphys Law schwadroniert. Du hingegen bist der, der eher schweigt, außer es gibt was zu sagen.
Und jetzt lass mich mit irgendeinem Karl aus Spanien oder Mittel-BaWü hier bitte nicht raten, was der mit dem Grenzkuddelmuddel auf der nördlichen Rheinseite zu tun hat. Nachdem Du Dich schon bei den Fuggern verweigert hast, könntest Du hier mal beitragen, warum und wann die Grenzziehung hier wie stattgefunden hat. Wenn es mehr als zwei Sätze sind, dann auch gerne mal im Kram. LG U.
Nein, äh beizutragen hab ich nichts. War nur ne Frage. In Augsburg hatte doch alles mit Karl V. zu tun. Warum sollte das in Konstanz anders sein?