18.10. Rheinauen und Pfälzer Wald

Niemand soll mehr über die Bahn schimpfen. Nach nur zwei Stunden Fahrt komme ich pünktlich, jawoll, in Karlsruhe an. Die Bahnfahrt ist sehr lebhaft, das an die Fahrradplätze anschließende Abteil ist geflutet mit Kinderwagen, deren Passagiere und deren Anschieber. Der Waggon ist irgendwas zwischen Turnhalle und Tonstudio und in Karlsruhe genieße ich die himmlische Ruhe eines Hauptbahnhofs.

Das Wetter ist nur so zweitklassig, es ziemlich frisch und es regnet zwar nicht, aber auf trockenen Wegen fahre ich heute auch nicht. Und das, obwohl wegen Niedrigwasser nicht die Fähre über den Rhein und der Karlsruher Auenwald, sondern eine autobahnähnliche Bundesstraße und einige Industriegebiete die ersten zwanzig Kilometer bilden.

Dann ärgere ich mich noch ein bisschen über autogerechte Radwege, aber hinter Hagenbach beginnt die Natur, die Ruhe, die Langeweile, der Arsch der Welt, wie immer man das nennen mag. Zum Radfahren ist es jedenfalls schön.

Superduper Waldradweg

Erinnert Ihr Euch noch an die 11Freunde Rubrik „Europaplatz“? Dort wurden kuriose Fußballplätze aus den Niederungen des Sports unseres Kontinents in schönen Bildern vorgestellt. Ich habe heute noch so einen Platz gefunden, den des SV Scheibenhardt.

Man beachte die Trainerbank.

Dann aber wieder viel Natur.

Ein kleiner Abstecher nach Frankreich bringt mich nach Wissembourg, einem netten kleinen Städtchen.

Ein Freund aus meinen Dürener Tagen hatte mal behauptet, dass Angeln als Sport populärer sei als Fußball. Ich hatte Zweifel daran aber in der Vor-Internet-Zeit blieben so manche Aussagen ungeprüft. Wie ich darauf komme? Ich fahre so durch die Gegend, in der – siehe oben – nicht gerade ein Highlight das nächste jagt, und da sehe ich einen Angelteich und offensichtlich ein Angelwettbewerb. Der plätscherte aber gerade so dahin. Ich kann mich losreißen und fahre weiter.

Hydrationbreak beim Angeln oder ist das immer so?

Der Aggerverband wurde in der letzten Woche gezwungen einen aufgestauten Teich abzulassen, weil sie es jahrelang nicht geschafft haben, das Stauwehr für Fische passierbar zu machen. Falls zufällig jemand vom Aggerverband mitliest, ich habe einen Vorschlag für einen Betriebsausflug, nämlich an die Wieslauter. Dort entdecke ich diese schöne Fischtreppe.

Stauwehr links, Fische rechts

Meine Tour heute endet in Bundenthal, einen Ort, dessen Namen man sich nicht merken muss. Es fängt auch genau an zu regnen, als ich in den Ort einbiege. Essenstechnisch ist das hier mau, da kommt mir doch die Kerwe (so wird hier die Kirmes genannt) genau richtig. Der Besuch passt sich dem Event an, aber es gibt Currywurst mit Fritten. Mahlzeit.

Nur mittelgut besuchte Kirmes in Bundenthal

Bei so einem Dorffest merkt man immer wieder, wie gut wir es im Rheinland mit der Musik haben. Hier hört man schlechten Schlager.

60,1 km – 230 hm

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