Ich möchte noch mal was zu ein paar Anmerkungen anmerken. Es war nicht lausig in der Lausitz und nass an der Neiße. Es gab Sprüh an der Spree und es war öde an der Oder. In der Lausitz war es brausig und an der Neiße regieren bald die Weißen (oder eine andere Farbe mit b).
Quitten gibt es sehr wohl, aber man muss danach suchen. Hier der Beweis.


Nun aber weiter. Ich verlasse Zittau nach Westen und durchfahre ein paar Dörfer, bei denen ich denke ‚ist ja ganz nett hier‘, den Gedanken aber sofort wieder verwerfe. Das ist ja absurd. Wenn Zittau schon am Arsch der Welt liegt, was soll denn dann dahinter noch kommen? Wahrscheinlich sind das alles Resozialisierungsprogramme.

Was mir schon in der ganzen Woche aufgefallen ist. Was bei uns die Weihnachtsbeleuchtung, scheint hier im Osten die Osterdekoration zu sein. Auf der ganzen Strecke, egal ob Brandenburg oder Sachsen, gab es kaum einen Vorgarten, in dem nicht mindestens ein mit bunten Eiern behangener Strauch gestanden hätte.



Dann geht es für ein paar Kilometer durch Tschechien. Es ist immer wieder erstaunlich, wie anders es auf einmal aussieht. Und durch meine aufwändige Recherche weiß ich jetzt auch, wie der Tscheche so ist. Er ist nämlich ein großer Sammler und ein ebenso großer Heimhandwerker. In den Dörfern, die ich durchfahre, sehen fast alle Häuser so aus, als wären sie gerade in einer Renovierungsphase, die in der Dauer die Renovierung der Kölner Oper mal locker toppt. Dafür gibt es überall in den Gärten Lager mit allen Baumaterialien, die irgendwann mal angefallen sind.

Der größere Ort, den ich passiere, ist Krasna Lipa. Hier gibt es einen hübschen Marktplatz mit Brauerei. In Anbetracht der Uhrzeit belasse ich es beim Gucken.

Kurz hinter Krasna Lipa biege ich ins Kirnitzschtal ein. Das gehört schon zum Nationalpark Böhmische Schweiz und links und rechts des Wegs türmen sich imposante Formationen von Elbsandsteinfelsen. Bis vor einigen Jahren gab es hier auch noch Fichten zuhauf, davon ist allerdings nicht viel mehr übrig als ein nicht aufgeräumtes Riesenmikado.


Irgendwo im Wald passiere ich wieder die Grenze nach Deutschland und aus der Böhmischen wird die Sächsische Schweiz. In Hinterhermsdorf werde ich aufgehalten durch eine Parade (Rallye, Sternfahrt, wasauchimmer) von etwa 500 (die Zahl ist durch die Lügenpresse bestätigt) qualmender und stinkender Mopeds von – das ist Teilnahmebedingung – DDR-Fabrikaten, zumeist Simson.

Einige von denen habe ich hinterher wieder eingeholt, am Straßenrand stehend oder auf dem Abschleppwagen. Höre ich hier etwa ein schadenfrohes Lachen?


Ich habe mich doch zu Beginn der Woche gefragt, warum denn an der Oder keine Menschen waren. Jetzt weiß ich es. Die sind alle wandern im Kirnitzschtal. Je weiter ich talabwärts fahre und mich der Elbe nähere, desto voller wird es. Die Felsen sind aber auch wirklich beeindruckend. Das sieht alles aus wie aufeinander gestapelt. Auch Fuchur hat sich hier ein Päußchen gegönnt.

An den Highlights des Tals wird es dann richtig voll, bis hier fährt auch eine Straßenbahn von Bad Schandau aus.



In Bad Schandau fühlt es sich so an wie im mittleren Rheintal, etwas angestaubt, aber trotzdem kommen die Touris. Ist ein guter Standort für Wanderer, im Ort gibt es viele Eisdielen, Cafés und Restaurants, aber keine normale Kneipe.

Morgen geht es noch an der Elbe entlang nach Dresden.


Das Foto mit den bergab fahrenden stinkenden Zweitaktern erinnert mich an meine Kindheit in den 70ern, als wir einmal pro Jahr unsere DDR Verwandtschaft in Thale im Harz besuchten. Dort bevorzugten sie die Motorradmarke MZ.
Ich, als Ossi, kann heute diesen Artikel ohne weiteres absegnen!
Ganz viel Spaß im schönen Dresden! 🙂
Das klingt ja, als gäbe es sonst was zu beanstanden.
Wenn ich mir deine Höhenmeter ansehe, war ja wohl auch ein kleiner Pass dabei. Kirnitzschtal werde ich mir versuchen zu merken
Zittau liegt auf etwa 200 m, von da geht es bis etwa 500 m hoch. Bad Schandau liegt auf 120 m. Ich kann da eigentlich die ganze Strecke empfehlen.
Hallo Udo,
freuen uns, dass Du die Tour erfolgreich geschafft hast. In Dresden hast Du hast ja jetzt mit Martina offenbar nochmal richtig schönes Wetter zum Ausklang und Ostern, wir beide wünschen Euch frohe Feiertage.
Deine letzten Etappen wecken in mir Erinnerungen – meine letzte Osterwanderung mit Manfred Bräuer 2002 führte uns in die Sächsische Schweiz, Elbe, Kirnitzschtal mit Bad Schandau und allem, was dort sehenswert ist –
Jetzt erstmal Tschüs bis zum 13.
Regine und Horst
Vielen Dank. Gleichfalls frohe Ostern. Schön, dass bei Dir alles gut verlaufen ist. Bis nächste Woche.