20.10. Bayerischer Wald II

Die Bayern sind Faulenzer. Wenn ich auf Radtour bin, stehe ich um halb acht auf und gehe frühstücken. Aber hier gibt es jetzt schon mehrfach erst ab acht Frühstück. Die werfen meinen ganzen Tagesablauf durcheinander. Aber wegen der Viertelstunde will ich mich ja nicht aufregen.

Ist sowieso noch schattig am Morgen. Heute kommt auch noch ein tüchtiger Nebel dazu. Mit schöner Aussicht ist erstmal nichts.

Im Nebel jagt mich der Plan direkt einen Berg hoch, aber sowas von. 360 Höhenmeter auf 6 km ohne Warmfahren. Das wäre bei der Tour de France schon ein Berg der dritten Kategorie. Gut ist, dass es Sonntag ist und fast nur PKWs unterwegs sind. Alle mit lokalen Kennzeichen, wahrscheinlich alle vom oder zum Hochamt.

Dass ich zum Fotografieren anhalten muss, ist hier nicht so schlimm, da kann ich direkt mal verschnaufen. Was muss ich fotografieren? Die beiden farbenfrohsten Dinge, die ich heute Vormittag erlebe:

Das Moos leuchtet trotz Nebel
Ein Fliegenpilz, so groß wie ein Speiseteller

Der Berg fährt sich ganz ordentlich, die Steigung ist sehr gleichmäßig und irgendwann bin ich dann oben. Der Nebel auch.

Wanderer, kein Scherenschnitt

Der Pass geht über den Arberkamm und hier beginnt der Achttausenderweg. Bis zum großen Arber, dem höchsten Berg im Bayerischen Wald (1456 m) passiert man acht Berge, die mindestens 1000 Meter hoch sind. Mir reicht für heute der Achthunderter (kommt später noch ein zweiter hinzu).

Ich bin generell kein großer Freund von Abfahrten. Meistens muss man zuviel bremsen und dafür hat man doch nicht die ganze Arbeit beim Hochfahren geleistet. Daher gilt bei mir – nicht nur hier – der Leitsatz: oben bleiben. In diesem besonderen Fall muss ich auf der Abfahrt mehrfach anhalten, weil sich der Nebel auf die Brille setzt.

Und auch mein Tourenplanungsassistent Komoot hatte nicht wirklich gut gearbeitet und mir diese Wege auf meine Route gelegt:

Nach einiger Zeit setzt sich dann doch die Sonne durch und es wird noch richtig schön. Das Wetter und auch die Landschaft. Die Region hier um den Arber ist echt wundervoll zum Wandern, aber beim Radfahren fluche ich heute auf dem mittleren Teil viel vor mich hin. Kein Rythmus, kurze Stücke mit starken Steigungen, schlechte Wege, Landstraße ohne Radweg. Ich sehe auch kaum andere Radfahrer. Zum Gucken ist es wie gesagt super.

Was die Wohnbebauung angeht sind mir schon gestern zwei Dinge aufgefallen, die sich heute bestätigen. Es gibt viele Ansiedlungen, die nur aus wenigen Häusern oder sogar nur aus einem Hof bestehen. Da dort aber gelegentlich alte Leute und junge Leute wohnen, wird gestorben und aufgewachsen. An diesen Höfen gibt es daher häufig Grabstätten einfach am Wegesrand in Form von nebeneinander angeordneten Holzkreuzen. Und es gibt jeweils eine eigene Schulbushaltestelle an diesen Höfen. Praktisch, aber was machen die Kinder am Nachmittag oder wenn sie als Jugendliche was erleben wollen?

Ich passiere die beiden größeren Orte Bodenmais und Zwiesel, beides zentrale Orte der deutschen Glasindustrie und der Glaskunst.

In Zwiesel mache ich Mittagspause und bin erstaunt, wie viele aufgemotzte Autos hier für alle gut hörbar durchfahren. Wenn nur der Schulbus als Verkehrsmittel zur Verfügung steht, bekommt der motorisierte Individualverkehr doch eine andere Bedeutung als in der Großstadt.

Und dann entdecke ich dort dieses die besten Zeiten schon seit langem zurücklassende Gasthaus:

Hinter Zwiesel wird das Fahren wieder etwas gleichmäßiger obwohl es noch einmal auf 800 Meter hochgeht. Hier trifft man jetzt auch hin und wieder auf andere Radler – Rennradfahrer und E-Bike fahrende Pärchen im Partnerlook.

Obwohl die Strecke heute eher kurz ausfällt, bin ich doch reichlich erschöpft am Ziel in Grafenau.

66 km – 1130 hm

4 Kommentare

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