07.10. Reif für die Insel

Heute Morgen ging es von Husum aus los weiter nach Norden und bis Dagebüll immer am Deich entlang. Da dort auch außer Deich nicht viel los ist, bleibt mir Zeit, ein paar Gedanken über das Radfahren am Deich zu verlieren.

Am Deich Rad zu fahren, hat viele Vorteile. Es droht keinerlei Gefahr vom motorisierten Verkehr, die Luft ist super und – vielleicht ist das Ansichtssache – der Ausblick lohnt.

Aber auf dem Deich bzw. davor oder direkt dahinter sieht sich der Radfahrer drei natürlichen Feinden gegenüber:

Es müssen unzählige dieser Schutztore geöffnet werden, also jedesmal abbremsen…
Schafkacke – Ausweichen unmöglich
Wind, allerdings manchmal auch ein Freund

Windig war es schon, aber er kam von der Seite. Und so radelte ich vor mich hin, öffnete hier und da ein Törchen, sammelte fleißig Schafkacke an meinen Reifen und freute mich sehr, wenn der Weg etwas nach rechts abknickte.

Von Dagebüll aus bin ich mit der Fähre nach Amrum übergesetzt. Auf Amrum war ich als 4-jähriger mal für sechs Wochen wegen Asthma in Kur, damals ohne Mama und Papa und ohne Internet. Die Meisten, die da so hören, finden das unvorstellbar.

In der Tat scheint das Thema eins zu sein, denn bei meiner Recherche im Vorfeld der Tour habe ich das Kurheim durch die Webseite verschickungskinder.de gefunden, ein Forum, in dem noch heute (zumeist schlechte) Erfahrungen aus solchen Aufenthalten geschildert werden. Ich selbst kann ich mich an die Kur auf Amrum überhaupt nicht mehr erinnern, aber die anderen Kuraufenthalte, die ich als Kind hatte, kommen mir im Nachhinein vor wie ein sehr langer Ferienaufenthalt. Das Kurheim als Gebäude existiert noch, ist aber jetzt seit längerer Zeit ein Hotel. So sieht es aus:

Amrum ist eine Nordseeinsel, die zur Hälfte aus Dünen besteht, mit viel echtem Sandstrand und nicht so voll und zugebaut wie viele andere Nordseeinseln. Dafür muss man aber auch eine zweistündige Fährfahrt auf sich nehmen. Hier ein paar Eindrücke.

Ich bin hier in Norddorf und zum Entspannen kann ich das Empfehlen. Schade, dass es morgen schon wieder weiter geht.

53 km (Rad, ohne Fähre), 280 hm

7 Kommentare

  1. Udo,
    ich hoffe der Wind konnte Dir wieder gut die Lunge durchpusten und Dein Asthma ein wenig lindern…
    Weiterhin viel Vergnügen auf Deiner Tour.

  2. Udo Tourenrad,

    Google hat ein Kulturdefizit

    Udo, der ist groß geworden
    als Panik-Chef im hohen Norden.
    Er trommelt und näselt, ist immer auf Tour
    und gilt inzwischen als Hochkultur.

    So findest Du den einen nur,
    googelst Du Udo, Tour, und Hochkultur.

    Google ist da nicht auf Draht,
    unterschlägt glatt UdoTourenrad
    und seine Reiseerzählungen,
    die so gut Mark Twain nie gelungen!

  3. Schönes Kapitel. Doch nun lass ab von deinen Kindheitserinnerungen, der wundervollen Schafkacke und alldem. Das ist vermutlich ein Zauber. Die Große Fahrt muss weitergehen!

  4. Hallo Udo
    Amrum ist für mich auch schöne Erinnerung. Wir durften vor Jahrzehnten von der DER Reisebüro Organisation eine 3Tägige Exkursion dorthin machen .
    Mir hat es damals sehr gut gefallen , obwohl dort alles noch im Dornröschenschlaf lag … dein Wunderschönes Bild der Dünenlandschaft ist eine Erinnerung die ich genau so vor mir sehe .
    LG
    Renate

  5. In der Stadt-Revue war letzten Monat ein Artikel über Verschickumgskinder-Traumata. Ich möchte aber nichts aufwühlen. Einzelkind bist du ja auch noch. Weiterhin viel Spaß!

  6. An den amrumer Süden habe ich vor allem die Erinnerung, dass der Strand irre breit war und man vor jedem Bad saharamässig wandern musste. War Mitte der Neunziger mal ein paar Tage dort.

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