Saarbrücken ist Landeshauptstadt, Universitätsstadt, hat ein Schloss, liegt an einem Fluss, da soll man doch glauben, das ist eine Stadt, da kann man mal hinfahren. Ok, für eine Auswärtstour geht es, aber sonst: muss nicht sein.


Links- bzw. südsaarisch finden wir ein schönes Ensemble, aber wie haben die den Rest nur so verhunzt? Viele große mehrspurige Straßen zerschneiden die Stadt und die Saar ist nicht ordentlich angebunden. Für den Bau der Autobahn einmal quer durch die Stadt wurde sogar die historische Stadtmauer um 16 Meter zurückgesetzt. Das sieht jetzt so aus:

Das Saarland hat übrigens in Deutschland die höchste PKW-Dichte aller Bundesländer. Was bedingt hier was?
Immerhin gibt es auf der Südseite der Saar einen gut ausgebauten Radweg, der Ausblick ist fantastisch. Aber wann bietet eine Autobahn schon mal Regenschutz für einen Radweg?

Damit es nicht heißt, der Heinrichs ist immer nur am Meckern, möchte ich hier ausdrücklich anmerken, dass die Radwege entlang der Saar vortrefflich sind, vielleicht nicht immer mit dem schönsten Ausblick, aber als Verkehrsweg erste Sahne.
So wohl behütet zwischen Autobahn und Saar gelangt man nach Völklingen. Hier dominiert das Unternehmen Saarstahl das komplette Saarufer, dazwischen versteckt sich aber noch das Weltkulturerbe Völklinger Hütte. Im Gegensatz zum Landschaftspark Nord in Duisburg ist die Hütte hier noch vollständig erhalten und ist deshalb Weltkulturerbe. Kann man sich gut anschauen, in Duisburg ist aber das Gelände weitläufiger.

Damit es nicht langweilig wird, trennen die Saar und ich uns für eine Weile. Hinter Völklingen fängt es an zu regnen, ich biege nach links ab , es geht den Berg hoch und der Weg ist bescheiden. Weil mir keiner zuhört, kann ich fluchen wie ich will. Fluchen gehört irgendwie zum Radfahren dazu. Hinterher ist alles super, wenn man heroisch Wind, Regen und Steigungen bezwungen hat, aber währenddessen muss die Anstrengung überwunden werden. Es gibt übrigens wissenschaftliche Studien über die leistungssteigernde Wirkung von Fluchen.
Worüber ich jedoch auch nach einer Tour nicht milde denke, sind schlechte Radwege. Überall stehen große Hinweistafeln für das Saarradland, aber abseits der Saar sind die ausgeschilderten Wege eine Katastrophe. Übelste Betonpisten mit Querfurchen schlimmer als auf belgischen Autobahnen und Schlaglöcher und die Reste vom Dorfaschenplatz, der einem Kunstrasen weichen musste und das über Kilometer hinweg. Zu guter Letzt noch die tollen Sparbetonwege, die ich sonst nur als landwirtschaftliche Wege in den neuen Ländern gesehen habe. Ob das am Erich liegt?



So fahre ich, weiter fluchend im Regen bergauf und bergab über schlechte Wege durch eine eigentlich ganz passable Landschaft, die Umstände sind eben heute nicht förderlich. Immerhin bietet sich trotz trübem Wetter schonmal ein Blick auf einen Indian Autumn.

Entlang der Nied führt mich die Route zurück zur Saar und zack ist alles wieder gut, sogar die Sonne kommt raus und erzeugt sowas wie Euforie.

Zwar hält das mit dem Sonnenschein nicht lange, aber es regnet auch nicht mehr. Zum Abschluss des Tages muss ich aber noch mal tüchtig klettern, damit ich Euch dieses Postkartenmotiv, wahrscheinlich eins der populärsten in Deutschland, präsentieren kann.

Hier in Orscholz endet meine heutige Tour.


Ach, du bist schon wieder unterwegs. Hatte nicht mitbekommen, dass Ferien sind. (Ich selbst mache Homeschooling.)
Schöne Berichte. Und durch schöne frühherbstliche Landschaften fährst du da. Die teilweise schlechten Radwege und Wetterverhältnisse empfinde ich jetzt nicht also sooo störend. Du bist wohl etwas empfindlicher. Bisschen fimpschich.
Wenig beeindruckt hat mich allerdings die allegorische Darstellung der Euphorie als Flusskahn. Hätte man da nicht was anderes nehmen können? Was mondäneres?